Die Loreley

Ich weiß nicht was soll es bedeuten
Dass ich so traurig bin
Ein Märchen aus uralten Zeiten
geht mir nicht aus dem Sinn
Die Luft ist kühl und es dunkelt
Und leise fließt der Rhein Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein

Die schönste der Jungfrauen sitzet
Dort oben so wunderbar
Ihr goldnes Geschmeide blitzet
Sie kämmt ihr goldenes Haar
Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei
das hat eine wundersame
Gewaltige Melodei

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh
Er schaut nicht die Felsenriffe
Er schaut nur hinauf in die Höh
Ich glaube, am Ende verschlingen
Die Wellen den Schiffer samt Kahn
Und das hat mir ihrem Gesange
Die Loreley getan

Original-Text: Heinrich Heine, 1824
Musik: Friedrich Silcher (1837), Bearbeitung, Felix Kroll, Michael Zachcial
Im 19. Jahrhundert über vierzig mal vertont, war das Lied vor allem mit der Melodie von Silcher so populär, dass es auch in der NS-Zeit noch in dem einen oder anderen Buch und sogar in einem Film auftauchte. „Denn wenn sie auch seine Schriften nicht lesen mögen, so müßten sie doch keine Deutschen sein, wenn sie nicht schon als Kinder hundertmal das Lied von der Loreley mitgesungen hätten.“ (Hermann Hesse, 1925)

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