Freude schöner Götterfunken

Freude, schöner Götterfunken
Tochter aus Elysium
wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligtum
Deine Zauber binden wieder
was die Mode streng geteilt
alle Menschen werden Brüder
wo dein sanfter Flügel weilt

Freude heißt die starke Feder
in der ewigen Natur
Freude, Freude treibt die Räder
in der großen Weltenuhr
Blumen lockt sie aus den Keimen
Sonnen aus dem Firmament
Sphären rollt sie in den Räumen
die des Sehers Rohr nicht kennt

Rettung von Tyrannenketten
Großmut auch dem Bösewicht
Hoffnung auf den Sterbebetten
Gnade auf dem Hochgericht
Auch die Toden sollen leben
Brüder trinkt und stimmet ein
Allen Sündern soll vergeben
und die Hölle nicht mehr sein

Original-Text: Friedrich Schiller, 1785, im Alter von 25 Jahren. „An die Freude“ hatte ursprünglich neun Strophen und je eine halbe Chorstrophe. Vier Jahrzehnte vertonte Beethoven den Text für das Finale seiner letzten, der neunten Symphonie.