Verdenk mir´s nicht

Verdenk mir´s nicht, dass ich dich meide
weil du so falsch, und ich so treu
Soll denn mein Herz Schiffbruch leiden
so reißt das Band der Liebe entzwei
drum sprich mich frei von aller Pflicht
verdenk mir´s nicht, verdenk mir´s nicht

Wer will ein solches Herz denn lieben
das allenthalben naschen geht
muß mit betrübten Augen sehn
wie´s immer bloß zu Dienste steht
was nach fremdem Atem riecht
das mag ich nicht, das mag ich nicht

Ich will nie wieder die Gasse betreten
Die Gasse wo du wirst am Fenster stehn
Ich will in keiner Kirche beten
wo du heut pflegst hinein zu gehn
Und wer mich glaubt nochmal
hier bei dir zu sehn
der muß früh aufstehn
oder spät schlafen gehen

Erstmals um 1840 gedruckt mit der Anmerkung „Sehr beliebt!“ Mündlich aus dem Odenwald, ursprünglich im ¾-Takt, mit zwei Strophen mehr und als Titel: „Das treue Mädchen und der falsche Knabe“, auch anderenorts bekannt mit weiteren Textvariationen