Das Lied vom Hassen

Wohlauf, wohlauf, über Berg und Fluß
Dem Morgenrot entgegen,
Dem treuen Weib den letzten Kuß
Und dann zum treuen Degen
Bis unsre Hand in Asche stiebt
Soll sie vom Schwert nicht lassen
Wir haben lang genug geliebt
Und wollen endlich hassen

Die Liebe kann uns helfen nicht
Die Liebe nicht erretten
Halt du, o Haß, dein jüngst Gericht
Brich Du, o Haß, die Ketten
Und wo es noch Tyrannen gibt,
Die laßt uns keck erfassen
Wir haben lang genug geliebt
Und wollen endlich hassen

Wer noch ein Herz besitzt, dem soll’s
Im Hasse nur sich rühren
Allüberall ist dürres Holz,
Um unsre Glut zu schüren.
Die ihr der Freiheit noch verbliebt
Singt ihr durch unsere Straßen
„Ihr habet lang genug geliebt
O lernet endlich hassen!

Bekämpft sie ohne Unterlaß
Die Tyrannei auf Erden
Und heiliger wird unser Haß,
Als unsre Liebe, werden
Bis unsre Hand in Asche stiebt
Soll sie vom Schwert nicht lassen
Wir haben lang genug geliebt
Und wollen endlich hassen!

Text: Georg Herwegh, 1841
leicht bearbeitet für die CD von Michael Zachcial

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