Viel gesungen müd gerungen

Viel gesungen, müd gerungen
Und der Abend stellt sich ein;
Wie mir’s eben auch gelungen
Unten muss es besser sein

Lass mich ruhen, Herr! und schlafen
Und vergessen dieses Land!
Lass den Schiffer in den Hafen
Denn das Elend sitzt am Strand

Wenn in neu belaubten Bäumen
über mir die Blüte klagt
Lass mich in der Erde träumen
Was die Erde mir versagt

Laß mich still im Grab verbringen
Denn es wär mir größre Pein
Engel mit gebrochnen Schwingen
Als ein Mensch und Nichts zu sein

Aber muß der satte Zecher
Muß er dennoch einst zu dir
Gieße in des Himmels Becher
Recht viel Erdennektar mir

Meine Seele kann erquicken
Nur ein einzig hohes Glück
Gib von allen Augenblicken
Mir den kürzesten zurück

Nicht die alten tollen Lieder
Nicht den alten Lebenslauf
Meine Liebe gib mir wieder
Oder wecke mich nicht auf

Text: Georg  Herwegh

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