CD „Keine Bange Leschinsky“

Das 3. Album der Grenzgänger: gemeinsam mit der Ruhrpott-Legende Frank Baier. Preis der deutschen Schallplattenkritik , CD des Monats und Platz 1 in der Liederbestenliste

Die CD enthält Lieder und Texte aus der größten Aufstandsbewegung, die es in Deutschland seit den Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts gegeben hat, dem nahezu völlig vergessenen Volksaufstand im Frühjahr 1920 im Anschluß an den Kapp-Putsch.

Zu den historischen Liedern kommen Stücke von Rio Reiser (Ton, Steine, Scherben), der 1980 bereits an dem Thema dran war und Lieder für das Theaterstück „Märzstürme“ schrieb,und eigene Kompositionen, sowie die historische Aufnahme eines Zeitzeugen. 40(!)-seitiges Booklet mit vielen Fotos, Hintergrundinformationen und allen Texten.

Es saßen sechs Kommunisten

Es saßen sechs Kommunisten Zu Essen in der Stadt, Sie saßen dort gefangen, Weil sie Freiheitslieder sangen, Sie saßen dort gefangen Sechzehn Wochen lang. Heraus, heraus, heraus, Revolution! Trullala, trullala, Freiheitsrepublik ist da, Trullala, trullala, Freiheitsrepublik! Blut muß fließen Knüppel-knüppeldick. Es lebe hoch Spartakus Räterepublik! Völker, Rache! Schwingt das Henkerbeil! Die Fürsten und die Pfaffen, Die bringen uns kein Heil. Text: unbekannt, um 1920, nach dem „Heckerlied“ von 1848 Musik: nach „Die freie Republik„, ebenfalls aus der Revolution von 1848/49

Wer zettelt immer die Kriege an

Wer zettelt immer die Kriege an Es sind doch immer die Gleichen Doch nie war es der Arbeitsmann Es sind immer nur die Reichen Sie gehen über Leichen Wer liefert die Waffen in jedem Staat Ob schwarz, ob weiß oder rot Panzer, Bomben und Stacheldraht Massengräber, blutige Saat Sie verkaufen den Tod Wenn auch das Blut in Strömen fliesst Und Millionen krepieren Wenn auch der Bruder den Bruder erschiesst Wenn nur das Scheckbuch in Ordnung ist Und die Geschäfte florieren Sie haben die Beute ins Ausland gebracht Stets in verschiedene Länder Ihr Männer vom Feuer und im Schacht Habt ihr mehr ...

Der alte Muhs

Es liegt ein Städtchen still und klein verschwiegen still am Niederrhein Dort starb im Kampf für Recht und Brot – ein alter Arbeitsmann den Freiheitstod. Ein Henkersknecht pocht bei ihm an: „Steh auf, steh auf, Spartakusmann, Dein Leben ist dem Tod geweiht. Du wirst erschossen, mach dich bereit.“ Er schaufelt sich sein eigen Grab, er wendet sich verächtlich ab; „Ans Werk, ihr Henker, hier stehe ich. Lebt wohl ihr Brüder und rächet mich.“ Er schaut dem Tod ins Angesicht Die Salve kracht, sein Auge bricht. Ein trotzig Lächeln um Aug‘ und Mund, so ging der alte, alte Muhs zugrund‘. Schweigend mehr ...

Wir sind der Pöbel

Wir sind der Pöbel. Gott sei Dank. Uns fügen? Wir haben nichts zu verlieren als unsere Ketten. Wir sind der Pöbel. Gott sei Dank. Uns mässigen? Erzählt das denen, deren Mass nicht überläuft. Wir sind der Pöbel. Gott sei Dank. Besonnenheit? Empfehlt sie denen, Die auf Polsterkissen lümmeln. Wir sind der Pöbel. Gott sei Dank. Geduld? Verlangt von denen, die aus vollen Schüsseln fressen. Wir sind der Pöbel. Gott sei Dank. Nur immer schuften? Wir haben nichts im Leib. Nichts auf dem Leib. Wir sind der Pöbel. Gott sei Dank. Verlangt nichts mehr von uns. Empfiehlt uns nichts. Erzählt uns mehr ...

Lied der Bergarbeiter

Wir graben unsere Gräber, Wir schaufeln selbst uns ein, Wir müssen Totengräber Und Leich` in einem sein. Nur lustig eingefahren, Geh fort, wem`s nicht gefällt, Sind andre da in Scharen, Es geht ums Geld, ums Geld. Verkrümmt, verdreckt, zertreten, Was kommt ihr nicht herein? Der Pfarrer wird schon beten, Wenn unsre Kinder schrein. Die Zeit wird sich erfüllen, Wir Toten wachen auf; Doch nicht in weißen Hüllen, Schwarz kommen wir herauf. Und fahren aus den Gruben, Hohläugig und zerfetzt, Den Herrn in ihren Stuben Vergeht das Lachen jetzt. Da wird nichts abgestrichen, Die Leben, die ihr stahlt, Die werden bar mehr ...

Bonzen Bonzen Bonzen

Wir sind die Arrivierten – in der Proletenwelt. Wir sind die Untroffizierten – vor eure Front gestellt. Nur nicht in euern Kämpfen – fließt unser Blut. Wir sind die Bonzen, Bonzen, Bonzen. Uns geht `s gut. Ihr trefft uns auf Kongressen – in schönem Redefleiss. Bei Jubiläumsfressen – rinnt uns der dicke Schweiss. In Resolutionen schwillt unser Mut. Wir sind die Bonzen, Bonzen, Bonzen. Uns geht `s gut. Ihr müsst nur pünktlich zahlen – auf euern Mitgliedsschein. Und immer bei den Wahlen – für uns zur Stelle sein. Wir werden sie schon lenken – die rote Flut. Wir sind die mehr ...

Im Ruhrgebiet da liegt ein Städtchen

Im Ruhrgebiet da liegt ein Städtchen das kennt ein jeder schon in diesem kleinen Städtchen liegt eine Garnison von lauter Rotgardisten ein ganzes Bataillon Im Jahre 1920 brach der Kapp-Putsch aus da zogen die Rotgardisten zu Tausenden hinaus Beim letzten Abschiednehmen beim letzten Scheideblick da riefen all die Mädchen wann kommt ihr denn zurück Im Jahre 1920 grub man ein Massengrab man senkte die Rotgardisten zu Hunderten hinab Weinet nicht ihr Mädchen weint euch nicht die Augenrot wir gehen für die Freiheit für die Freiheit in den Tod wir gehen für die Freiheit… Text und Musik: nach einem alten Soldatenlied, mehr ...

Frühling im Revier

Ich muß für morgen einen Aufsatz schreiben wenn ich nichts weiß gibts wieder eine vier Der Lehrer sagt, dann werde ich sitzen bleiben mir fällt nichts ein zum Frühling im Revier Es gibt in unserem Viertel, wo wir wohnen nicht eine Blume, überhaupt kein Grün Ich weiß nicht, wo die bunten Anemonen und wann die ersten Löwenzähne blühn Ich sah noch nie ein Vogelpärchen nisten hier wächst kein Baum auf den man klettern kann Frag ich den Vater, sagt er; Jau wir müssten mal wieder raus ins grüne – aber wann? Er macht ja immer so viel Überstunden da hat mehr ...

Völker hört die Zentrale

Im Wahlkampf raufen die Parteien Um die Posten in der Republik Die Führer aller Farben schreien Vom General zum Bolschewik Jede biedere Untertanserscheinung Schmeißt ihre Stimme in die Urne rein Du hast ein Amt, doch deine Meinung Muß die Meinung der Zentrale sein Völker hört die Zentrale heraus zum Wahlgefecht Die Internationale Der Bonzen die hat Recht Schimpft eure Führer nur Verräter Nur große Reden vom Balkon Ein Volk ist nichts ohne Vertreter drum Einigkeit mit Washington! Wir halten was wir euch versprechen Wir bleiben unseren Wählern treu Zuwiderhandeln ist Verbrechen An unserm Stolz, an der Partei Völker hört die mehr ...

Soldatenlied

Wir lernten in der Schlacht zu stehn bei Sturm und Höllenglut. Wir lernten in den Tod zu gehn, nicht achtend unser Blut. Und wenn sich einst die Waffe kehrt auf die, die uns den Kampf gelehrt, sie werden uns nicht feige sehn. Ihr Unterricht war gut. Wir töten, wie man uns befahl, mit Blei und Dynamit, für Vaterland und Kapital, für Kaiser und Profit. Doch wenn erfüllt die Tage sind, dann stehn wir auf für Weib und Kind und kämpfen, bis durch Dunst und Qual die lichte Sonne sieht. Soldaten! Ruft’s von Front zu Front: Es ruhe das Gewehr! Wer mehr ...

1920

Wie alt ist deine Oma, sechzig, siebzig oder achtig? Als sie geboren wurde, da machte dieses Land sich Auf einen neuen Weg, von der Monarchie quasi über Nacht in die Demokratie Da waren aber Leute, die wollten keinen Wandel, die verdienten Milliarden – am Krieg, am Waffenhandel – und diese alte Militaristenbande War hierzulande noch zu sehr viel imstande doch war da die neue Regierung im Lande die hatte man gewählt wegen ihrer Versprechen, die großen Ländereien, Stahlwerke und Zechen Sollten allen gehören, nicht nur ein paar Bossen, Die Rehrücken, Trüffel und Champagner genossen Während Soldaten auf hungernde Arbeiter schossen mehr ...

14 Prozent

Flammen schlagen aus dem Schacht Schachthaus stürzt in Schutt und Scherben Drunten in der Grubennacht Rast der Tod und sät Verderben. Tja, wenn auch die Grube brennt Tja, wenn auch die Menschheit flennt: Sicher sind vierzehn Prozent! Menschen frißt die heiße Glut, frißt zweihundertsechzig Herzen. Menschen wälzen sich im Blut, Menschen winden sich in Schmerzen. Tja, wenn auch die Grube brennt Tja, wenn auch die Menschheit flennt: Sicher sind vierzehn Prozent! Kohle! Kohle! Immer ran! Preßlufthämmer in die Hände! Abkehr, wer nicht schuften kann! Tempo! Tempo! D i v i d e n d e ! Was? Du knurrst? Zu mehr ...

Bei Duisburg sind viele gefallen

Bei Duisburg sind viele gefallen Bei Duisburg gingen viele verlorn Da waren zwei Rotgardisten Die einander die Treue geschworn. Die schworen einander die Treue Sie hatten einander so lieb Sollte einer von beiden fallen Das der andere der Mutter dann schrieb. Da kam eine feindliche Kugel Durchbohrte dem einen das Herz Für die Eltern war es ein Kummer Für die Reichswehr war es ein Scherz. Als nun die Schlacht war zu Ende Und sie kehrten zurück ins Quartier Da hat sich so vieles verändert Er nahm ‘nen Bleistift und schrieb’s auf Papier. Er schrieb es mit zitternden Händen Er schrieb mehr ...

Jetzt schlägt´s 13

Jetzt schlägt’s 13! Schlimmer kommt’s nicht. Alle Messer über Kreuz. Weiß der Kuckuck, ob ich morgen lebe, oder ob ich vielleicht schon in das grüne Märzgras beiß. Pech verfolgt uns alle Tage, Unglück feiert niemals frei. Ob vor Ort oder über Tage, Pech und Unglück sind dabei. Jetzt schlägt’s 13! Auch wenn ich kein Salz verschütte, morgens keine Spinnen seh, ob auf Arbeit ob in der Hütte, weniger Sorgen gab es nie. Jetzt schlägt’s 13! Alles beten, betteln, bitten, führt uns nur zum Unglück hin. Misch die Karten, schieß die Rose, Niete oder Hauptgewinn. Jetzt schlägt’s 13! Text: Peter Möbius mehr ...

Die Internationale

ohne worte Musik: Degeyter, Pierre, 1871, nach der Niederschlagung der Pariser Commune, bearbeitet von Michael Zachcial und Jörg Fröse

Die Toten an die Lebenden

Die Kugel mitten in der Brust, die Stirne breit gespalten, So habt ihr uns auf blut’gem Brett hoch in die Luft gehalten! Hoch in die Luft mit wildem Schrei, daß unsre Schmerzgebärde. Dem, der zu töten uns befahl, ein Fluch auf ewig werde! Daß er sie sehe Tag und Nacht, im Wachen und im Traume Im Öffnen seines Bibelbuchs wie im Champagnerschaume! Daß wie ein Brandmal sie sich tief in seine Seele brenne: Daß nirgendwo und nimmermehr er vor ihr fliehen könne! Daß jeder qualverzogne Mund, daß jede rote Wunde Ihn schrecke noch, ihn ängste noch in seiner letzten Stunde! mehr ...

Schritt für Schritt ins Paradies

Du hörst mich singen aber du kennst mich nicht. Du weißt nicht für wen ich singe, aber ich sing´ für dich. Wer wird die neue Welt bau’n wenn nicht du und ich. Und wenn du mich jetzt versteh’n willst, dann verstehst du mich. Ich bin aufgewacht und hab’ geseh’n woher wir kommen – wohin wir geh’n. Und der lange Weg, der vor uns liegt, führt Schritt für Schritt – ins Paradies. Ich hab’ lang gewartet und nachgedacht. Ich hatte viele Träume, aber jetzt bin ich wach. Wenn wir suchen, finden wir das Neue Land. Uns trennt nichts vom Paradies – mehr ...

Es zog ein Rotgardist hinaus

Es zog ein Rotgardist hinaus für Freiheit und für Recht. Er ließ sein Mütterlein zuhaus zog mutig ins Gefecht. Und als die Stund der Trennung kam er traurig von ihr Abschied nahm sie aber leise zu ihm spricht „Spartakusmann, tu deine Pflicht.“ Das Volk stand auf, die Schlacht begann die rote Garde wacht! Die rote Fahne stolz voran so ziehn sie in die Schlacht. Davon erzählt kein dickes Buch was sich am Lippeschloß zutrug, wo eine kleine tapfre Schar für Freiheit und Recht gefallen war. Granaten heulen wild im Chor – das rote Banner weht. Geht auch der Feind im mehr ...