CD „Und weil der Mensch ein Mensch ist“ (Widerstand)

Das 6. Album der Grenzgänger feiert den Mut und die Zivilcourage der vielen tausend Menschen, die im Widerstand gegen das Hitler-Regime kämpften und in den Gefängnissen und Konzentrationslagern der NS-Diktatur gefangen waren.

Nominiert für den Preis der deutschen Schallplattenkritik!

Pressestimmen: „Mit Dynamik, mit Feuer, mit unbändigem Freiheitsdrang: Grossartig! (Folk-Magazin) — „Traumhafte Arrangements, musikalisch allererste Sahne: Mir fällt niemand ein, der diese wichtige Thematik zur Zeit besser bringen könnte“ (WDR 4) — „Beeindruckend“ (WAZ) —

Die Moorsoldaten

Wohin auch das Auge blicket, Moor und Heide nur ringsum. Vogelsang uns nicht erquicket, Eichen stehen kahl und krumm. Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor. Hier in dieser öden Heide ist das Lager aufgebaut, wo wir fern von jeder Freude hinter Stacheldraht verstaut. Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor. Morgens ziehen die Kolonnen in das Moor zur Arbeit hin. Graben bei dem Brand der Sonne, doch zur Heimat steht der Sinn. Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor. Heimwärts, heimwärts jeder sehnet, zu den Eltern, Weib mehr ...

Auf des Heubergs rauhen Höhen

Auf des Heuberg rauhen Höhen dicht von Stacheldraht umspannt ist das Lager wo Marxisten Vom Faschismus hin verbannt. Hinter Stacheldraht und Riegel wird erschossen wer sich wehrt statt Brot da gibt´s nur Prügel nur der Hass, der wird genährt Menschenrechte sind erloschen Und Beschwerden gibt es nicht. statt Fleisch da gibt´s nur Knochen, Gutes Essen wäre Gift. Aber einmal hat´s ein Ende nicht umsonst floss unser Blut der Prolet reicht sich die Hände und zerschmettert diese Brut Und die Freiheit, die kommt wieder – Dann SA-Mann gebe acht! Rotgardisten werden siegen, rufen auf zur letzten Schlacht. Rote Fahnen werden wehen mehr ...

In Kerkermauern sitzen wir

In Kerkermauern sitzen wir Und träumen von der Freiheit Von Fahrten über Rom, Algier Malaga und Madeira Wir fahren übern Ozean Und machen Rast in Rio Und reiten über Steppen dann Bis nach Santiago Viel stärker ist Gitter noch Als unser Freiheitsdrang Doch, Junge, halt den Kopf nur hoch Es dauert nicht mehr lang Text und Musik: Hans Johnny Hütter, 1937/38 in einer Dreierzelle auf der Jugendstation des Zuchthauses Brandenburg, , um seine Kameraden aufzumuntern. Der Text erinnert stark an Fahrtenlieder aus der bündischen Jugend.

Neuengammer Lagerlied

Dicht bei Hamburg liegt ein Lager hinter Stacheldraht verbannt. Dreimal tausend deutsche Männer, Konzentrationäre sie genannt Unser Banner ist der Spaten, „Teure Heimat“ Feldgeschrei. Keine Träne, stets den Kopf hoch, Konzentrationär, auch du wirst frei Worte froh hat uns geschmiedet, zäher Wille ist erwacht, denn die Jahre, die vergangen, haben hart und eisern uns gemacht Früh am Morgen geht’s zur Arbeit, ob nach Klinker oder Elb‘; Dreck, Morast und Schlamm und Kohldampf – doch das Lied bleibt Tag für Tag dasselb Hört ihr nicht den Ruf der Heimat beim Appell die Namen schrei’n? Leuchtend kommt auch euch die Freiheit, Mütter, mehr ...

Graue Kolonnen ziehen ins Moor

Graue Kolonnen ziehen ins Moor, Arbeiterreih’n ohne Ende. Posten zur Seite, Posten davor, Posten am Zugesende. Geht auch der Tod uns dauernd zur Seit‘, Geht es auch drüber und drunter, Braust auch der Wind durch finstere Heid‘, Uns geht die Sonne nicht unter. Fern von der Heimat, dem Freundeskreis, Trennen uns Draht und Gelände; Doch wir spüren erdenweit Helfende Bruderhände. Geht auch im einsamen Moor unsre Straß‘ Endlos bergauf und bergunter, Keiner von uns die Heimat vergaß Uns geht die Sonne nicht unter Graue Kolonnen ziehen ins Moor, Arbeiterreih’n ohne Ende. Posten zur Seite, Posten davor, Posten am Zugesende. Doch mehr ...

Im Walde von Sachsenhausen

Im Walde von Sachsenhausen ein Barackenlager steht. Hier warten einige Tausend, daß die Schutzhaft zu Ende geht Wir sind schon lange gefangen, waren erst im festen Bau; in uns allen lebt das Verlangen nach Haus zu Kindern und Frau Im fernen Esterwegen, da waren wir verbannt; die grünen Moorsoldaten hat man uns damals genannt Es ruft uns beim Morgengrauen die Glocke mit hellem Schlag; wir marschieren in den grauen, ach, so schweren Arbeitstag Des Abends in lauten Baracken ist ein ernstes Wort bereit. Doch auch Musik hört man und Lachen, gemeinsam sind Freud und Leid Kameraden, wir kehren einst wieder mehr ...

Mein Vater wird gesucht

Mein Vater wird gesucht, er kommt nicht mehr nach Haus. Sie hetzen ihn mit Hunden, vielleicht ist er gefunden – und kommt nicht mehr nach Haus Oft kam zu uns SA und fragte, wo er sei. Wir konnten es nicht sagen, sie haben uns geschlagen, wir schrien nicht dabei. Die Mutter aber weint, wir lasen im Bericht, der Vater sei gefangen und hätt‘ sich aufgehangen – das glaub‘ ich aber nicht. Er hat uns doch gesagt, so etwas tät‘ er nicht. Es sagten die Genossen, SA hätt‘ ihn erschossen – ganz ohne ein Gericht. Heut‘ weiß ich ganz genau, warum mehr ...

O Bittere Zeit

Die Bäume stehn in Blüte – Draussen ist Tag Doch schwer ist mein Gemüte Bang tönt der Glocke Schlag Bang tönt der Glocke Schlag Wie bin ich so alleine O bittere Zeit Die töricht ich verweine Doch gross ist unser leid Gross ist der Menschen Leid Dicht hinterm Zellenfenster Grünt schon der Wald Wir aber sind Gespenster Und werden jung schon alt Gefangen jung schon alt Nur Gitter ohne Ende Sind um uns her Ach unsre schwachen Hände Zerbrechen sie nicht mehr Zerbrechen sie nicht mehr Und doch! Sie müssen weichen Wie Deutschlands nacht Sind wir doch, die hier bleichen mehr ...

Schließ Aug und Ohr für eine Weil

Schließ Aug und Ohr für eine Weil vor dem Getös der Zeit. Du heilst es nicht und du hast kein Heil als wo dein Herz sich weiht Dein Amt ist Hüten, Harren, Sehen In die Ewigkeit. So bist du schon im Weltgeschehen Befangen und befreit. Die Stunde kommt da man dich braucht Da sei du ganz bereit und in das Feuer das verraucht wirf dich als letztes Scheit Musik: trad. Russland Text: Friedrich Gundolf (1880 – 1931), jüdischer Dichter und meistgelesener Germanist der Weimarer Republik, zu dessen Studenten auch Goebbels zählte, der Gundolf verehrt haben soll. Gesungen wurde das Lied mehr ...

Wir zahlen keine Miete mehr

Wir haben unsre Bleibe Dort draußen, wo die letzten Häuser stehn Dort, wo die Straßenbahnen nicht mehr gehn Man fährt dort hin per Rad Im Fenster fehlt die Scheibe Doch sonst fehlt nicht das Allerkleinste da Zwei helle Zimmer, Küche, Lodgia Mit Korridor und Bad Wir zahlen keine Miete mehr wir sind auf der Lichte zu Haus und ist die Zelle noch so klein wir machen uns gar nichts daraus Ein Meter fünfzig im Quadrat wir haben ja wenig Gepäck und wenn die Zelle nur nen Strohsack hat und wir werden halbwegs satt dann ziehn wir nicht wieder weg Doch mehr ...

Unser täglich Brot

Unser täglich Brot ist ein hartes Brot, schmeckt nach Blut, schmeckt nach Schweiß, schmeckt nach Tränen. Ist die Arbeit herum, dann verzehren wir stumm, dann zermahlen wir schnell mit den Zähnen unser täglich Brot! Unser täglich Brot! Unser täglich Brot! Unsere Kuhle! Ja, das Essen fürwahr schmeckt nicht nach Kaviar. Doch es knurrt uns vor Kohldampf der Magen. Nach dem Abendappell, dann zermahlen wir schnell, dann verschlingen wir schnell ohne Klagen unser täglich Brot! … Ist die Schutzhaft vorbei und wir sind wieder frei, ja, dann gibt´s jeden Tag Leckerbissen. Doch dann woll´n wir vereint unseren treuesten Freund, unseren besten mehr ...

Auschwitzlied

Zwischen Weichsel und der Sola schön verstaut Zwischen Sümpfen Postenketten, Drahtverhau Liegt das KL-Auschwitz, das verfluchte Nest, das der Häftling hasset, wie die böse Pest. Wo Malaria, Typhus und auch andres ist, wo dir große Seelennot am Herzen frisst, wo so viele Tausend hier gefangen sind fern von ihrer Heimat, fern von Weib und Kind. Häuserreihen steh´n gebaut von Häftlingshand, bei Sturm und Regen musst du tragen Ziegeln, Sand, Block um Block entstehen für viele tausend Mann, Alles ist für diese, die noch kommen dran. Außer Flöhen, Läusen, plaget Fieber Dich, viele tausend mussten sterben kümmerlich, ja du wirst gequälet mehr ...

Buchenwaldlied

Wenn der Tag erwacht, eh` die Sonne lacht die Kolonnen ziehn zu des Tages Mühn hinein in den grauenden Morgen. Und der Wald ist schwarz und der Himmel rot und wir tragen im Brotsack ein Stückchen Brot und im Herzen, im Herzen die Sorgen. 0 Buchenwald – ich kann. dich nicht vergessen weil du mein Schicksal bist. Wer dich verließ, der kann es erst ermessen wie wundervoll die Freiheit ist! 0 Buchenwald, wir jammern nicht und klagen und was auch unsre Zukunft sei — wir wollen trotzdem „ja“ zum Leben sagen denn einmal kommt der Tag – dann sind wir mehr ...

Den Spaten geschultert

Den Spaten geschultert, marschieren wir in langem Zuge am Morgen Ein Lied auf den Lippen, mit frohem Mut so trotzen wir Kummer und Sorgen Denn wir wissen, dass nach dieser Not uns leuchtet hell das Morgenrot! Denn wir wissen, dass nach dieser Not uns leuchtet hell das Morgenrot Ob über die Heide der Sturmwind braust, ob uns auch peitschet der Regen, wir schippen und karren voll Zuversicht der Zukunft mutig entgegen. Denn wir wissen… Und kehren wir abends ins Lager heim dann tönen wieder die Lieder Und Scherzworte fliegen von Ohr zu Ohr obgleich auch müde die Glieder. Denn wir mehr ...
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